
Oft kommt alles ganz anders als man denkt: Eigentlich wollte Kerstin Beavers weder Bratsche spielen noch dieses Instrument je studieren. Als Kind wuchs sie in Köln mit der Geige auf. Und obwohl ihre erste langjährige Lehrerin eigentlich Bratschistin war, blieb sie der Violine treu. Erst mit 16 Jahren brachte ein Zufall die heute 29-jährige zur Viola: So fand sie zuhause im Schrank eine alte Bratsche ihrer älteren Geschwister – und das war dann Liebe auf den ersten Blick. Trotzdem wollte sie diese Liebe nicht unmittelbar zum Beruf machen, sondern entschied sich stattdessen für ein Tonmeisterstudium an der Detmolder Musikhochschule. Dabei konnte sie zwei weitere Talente professionalisieren: ihr gutes Gehör und ihr mathematisches Gespür. In Detmold wiederum begeisterte sie die dortige Professorin, Nobuko Imai, so sehr für Bratsche, dass sie schließlich das Tonstudio gegen die Viola eintauschte und bei ihr studierte. Später ging sie nach Freiburg, wo sie ihr Studium bei Wolfgang Christ fortsetzte und erfolgreich beendete. Im Anschluss konnte Kerstin Beavers zunächst an der Dresdner Philharmonie für ein Jahr Erfahrungen im Berufsorchester sammeln, bevor sie an den Rhein zurückkehrte und nun als Vorspielerin der Bratschengruppe ihren festen Platz bei den Düsseldorfer Symphonikern gefunden hat. Ganz neu sind für sie die Opernproduktionen, doch die anfängliche Skepsis dem Operngraben gegenüber ist inzwischen einer großen Begeisterung gewichen. Und was würde sie sich zukünftig im Programm wünschen? „Ambitionierte Kammerorchesterprojekte“, lautet da die prompte Antwort. Insofern kann sich Kerstin Beavers auf den Mai nächsten Jahres freuen, wenn Andreas Spering mit ihr und weiteren Düsys in der Kammerorchester-Reihe „Sonnenwind“ musiziert.