Yo Washio

Zur Person: Yo Washio
Instrument: Flöte
Studium: Tokio, Detmold und München
Stationen: Seit
1980 Solo-Flötist bei den Düsseldorfer Symphonikern

Wo liegen die Wurzeln? Im Garten

Er ist viel lebhafter, als er auf den ersten Blick wirkt. Soloflötist Yo Washio sprüht vor Eifer, Neugier und guter Laune. Keine Spur von Musikbeamtentum, auch wenn er nächstes Jahr schon 25 Jahre Orchesterdienst auf dem Buckel hat. Washio hasst Grenzen, starre Regeln und die Trockenheit akademischer Methoden.

Drum passt er auch in keine Schublade zwischen Nippon und Rheinland, zwischen Beruf und Hobby, zwischen Sushi und Grünkohl mit Pinkel. 1952 geboren in der Provinz Niigata im Nordwesten Japans als Sohn eines buddhistischen Priesters, begann er mit elf Jahren mit Querflöte, studierte in Tokio, dann in Detmold und München bei Paul Meisen. Obwohl er hartnäckig behauptet, sein Deutsch sei schrecklich, sprudelt es aus ihm: Werdegang, Vorlieben und Leidenschaften, Kuriositäten und Anekdoten. Und zwischendurch erschrickt er immer wieder ob der eigenen Freimütigkeit und flüstert beschwörend: "Das nicht schreiben!" Washio hat nicht nur Spaß am Beruf, es ist sein Traumberuf, es ist auch sein Wunschorchester; vor allem der Operndienst ist Herzenssache. Aber auch Neue Musik und traditionelle japanische Musik gehören zum Spektrum. Wo seine Wurzeln sind? In Japan, im Rheinland, überall: Wer Grenzen überflüssig findet, muss sich auch nicht zuordnen. Die 350 Quadratmeter Nutzgarten, die er in Meerbusch-Osterrath mit Hingabe für seine Küche bewirtschaftet, könnten überall sein. Und dennoch: Als Musiker und Kulturschaffender, als individuell wahrgenommener Mensch lebt er am liebsten hier, auch wenn es hier nach seinem Geschmack zu viele Vorschriften und Regeln gibt. Das darf ich schreiben, ausdrücklich sogar.
Regine Müller

Die Rheinische Post unterstützt die Düsseldorfer Symphoniker mit der regelmäßigen Serie "Unsere Symphoniker". Darin werden alle Mitglieder der Düsseldorfer Symphoniker vorgestellt. Der Abdruck der Texte erfolgt mit freundlicher Genehmigung der RP. Die Autoren sind Regine Müller, Wolfram Goertz und Peter Reichelt.