Viola

"Von allen Instrumenten im Orchester ist die Viola dasjenige, dessen ausgezeichnete Eigenschaften man am längsten verkannt hat"

Hector Berlioz

Der allgemeine Name für die Familie der Streichinstrumente in Violinform lautet Viola da Braccio. Gleichzeitig bezeichnet der Name auch das Streichinstrument Bratsche oder Viola, welche im Wesentlichen eine größere, tiefer klingende Bauform der Violine ist. Ihr Klang wird als voll, weich, dunkel und immer etwas melancholisch beschrieben. Im heutigen Sinfonieorchester wirken im Normalfall zwölf Bratschisten mit.

Anlässlich der Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses erbat sich Richard Wagner für die Festaufführung von Beethovens "Neunter" auch eine Anzahl Wiener Philharmoniker. Die Musiker versammelten sich auf dem grünen Hügel, wo sich heute das Festspielhaus befindet. Wagner erschien pünktlich mit seinem Stab, schwenkte den Hut und rief freudig erregt: "Wo sind meine Wiener?" Als er den philharmonischen Bratschisten Albert Bachrich erkannte, umarmte er ihn stürmisch, gab ihm einen schallenden Kuss und sagte lachend: "So wie der hier, seien sie mir alle herzlich willkommen!" Eine junge Aristokratin, die später in Wien von der Episode hörte, meinte schwärmerisch zu Bachrich: "Ach, wie ich sie um den Kuss beneide!" Darauf der Musiker großzügig: "Frau Gräfin, ich habe diesen Wagnerkuss als Partitur erhalten; Sie können von mir jederzeit einen Klavierauszug erhalten."

Die Viola ist im Verhältnis zur Geige eine Quinte tiefer gestimmt, weshalb ihr Korpus eigentlich statt der üblichen 38-45 cm ungefähr 54 cm lang sein müsste. Für ein solches Größenverhältnis ist der menschliche Körper aber schlicht und ergreifend zu klein, der Violaspieler könnte das Instrument nicht lange halten. Der zu kleine Korpus dämpft daher die der Violine eigenen hohen Obertöne ab, weshalb sich die beiden äußerlich so ähnlichen Instrumente im Klang merklich unterscheiden.