Gesprächsrunde zum Menschenrechtspreis am Vorabend, Adam Fischer dirigiert Menschenrechtskonzert

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Gesprächsrunde zum Menschenrechtspreis am VorabendAdam Fischer dirigiert MenschenrechtskonzertUnd wieder erklingt Musik aus der Tonhalle Düsseldorf: Am 14. März wird um 20 Uhr das Menschenrechtskonzert per Stream live übertragen. Auf dem Programm stehen Beethovens 4. Symphonie und das Mahler-Lied „Des Antonius von Padua Fischpredigt“. Principal Conductor Adam Fischer dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker, Solist des Abends ist der international renommierte Bariton Markus Eiche.  Im Rahmen des Konzerts am Sonntagabend werden gleich zwei Preisträger mit dem Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf ausgezeichnet: Der österreichische Verein Mimikama, der sich gegen die Verbreitung von Falschmeldungen im Internet einsetzt, erhält nachträglich den Menschenrechtspreis 2020, da die Verleihung im Vorjahr coronabedingt nicht stattfinden konnte. Der Menschenrechtspreis 2021 geht an die jungen Klimaaktivisten von Fridays for Future Deutschland. Die Preise sind mit 10.000 Euro dotiert und werden von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle Düsseldorf gestiftet. Seit 2016 verleiht Adam Fischer die Auszeichnung jedes Jahr im Rahmen eines Sonderkonzerts an eine Person oder Organisation, die sich für die Menschenrechte einsetzt. Da Mimikama wegen aktueller Reisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen nicht aus Wien zum Konzert anreisen können, treffen sich Dirigent Adam Fischer und die Preisträger am Vorabend zu einer Videokonferenz. Christina Schliesky, Sprecherin von Fridays for Future, und Tom Wannenmacher und Andre Wolf, Gründer und Sprecher von Mimikama, unterhalten sich mit Fischer über ihr Engagement für Menschenrechte, Wahrheit und Umwelt, die Bedeutung des Menschenrechtspreises und die Auswirkung von Corona auf ihre Arbeit. Moderiert wird die Gesprächsrunde zum Menschenrechtspreis von dem Wissenschaftsjournalisten Stefan Schulze-Hausmann. Die Videokonferenz wird am 13. März um 18 Uhr auf tonhalle.de und dem YouTube-Kanal der Tonhalle Düsseldorf veröffentlicht. Die Gesprächsrunde zum Menschenrechtspreis und der Livestream des Menschenrechtskonzerts können kostenlos angeschaut werden und bleiben nach der Erstausstrahlung dauerhaft im Netz abrufbar.  


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Pressestelle Tonhalle, Marita Ingenhoven, Ehrenhof 1, D-40479 Düsseldorf
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, Preis für Kämpfer gegen Klimawandel und Fake News

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Preis für Kämpfer gegen Klimawandel und Fake NewsDer Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf ist ein besonderes Herzensprojekt von Adam Fischer, dem Chefdirigenten der Düsseldorfer Symphoniker. Seit 2016 verleiht Fischer jährlich die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung im Rahmen eines Sonderkonzerts an eine Person oder Organisation, die sich besonders für die Menschenrechte einsetzt. Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Menschenrechtskonzert im vergangenen Jahr ausfallen, so dass beim Konzert am 14. März 2021 in der Tonhalle Düsseldorf nun gleich zwei Preisträger ausgezeichnet werden:   Der Menschenrechtspreis 2020 geht an Mimikama. Der Verein mit Sitz in Wien engagiert sich seit 2011 gegen jegliche Form von Internetmissbrauch und kämpft gegen Fake News. Mittels verschiedener Social-Media-Kanäle und einer Webseite macht Mimikama rassistisch motivierte Inhalte und Falschmeldungen transparent, informiert über Spam-Mails mit Viren im Anhang, Hoaxe und Urban Legends. Mimikama hilft Nutzern dabei, Falsches von Fakten zu unterscheiden.  Die Preisträger 2021 sind Fridays for Future. Die Bewegung von Schülerinnen, Schülern und anderen jungen Menschen setzt sich weltweit für den Klimaschutz ein. Nach dem Vorbild von Greta Thunberg, die im August 2018 mit ihrem “Schulstreik für das Klima” begann, demonstrieren auch in Deutschland tausende Kinder und Jugendliche für die Einhaltung der Klimaziele, die 2015 von den UN-Staaten im Pariser Abkommen beschlossen wurden.   Adam Fischer begründet seine Auswahl der Preisträger wie folgt: “Wie wichtig die Arbeit von Mimikama und Fridays for Future ist, hat uns die Corona-Krise noch einmal mit Nachdruck vor Augen geführt. Die Freiheitsrechte stehen in diesen Tagen besonders auf dem Prüfstand. Wie kann die Meinungsfreiheit gewahrt bleiben, wenn Falschmeldungen und Verschwörungstheorien auf dem Vormarsch sind? Inwieweit sind die Menschen fähig, auf persönliche Freiheiten zu verzichten, um dem Interesse der Gemeinschaft zu dienen - sei es für den Schutz von vulnerablen Gruppen in der Pandemie oder für den Schutz des Klimas für nachfolgende Generationen? Wenn die Menschheit nicht lernt, Freiheitsrechte nicht zu missbrauchen, dann ist die Freiheit insgesamt in Gefahr.”  Das Menschenrechtskonzert und die Preisverleihung werden am 14. März 2021 um 20 Uhr im Livestream auf tonhalle.de und dem YouTube-Kanal der Tonhalle kostenlos übertragen und bleiben anschließend dauerhaft im Netz abrufbar. Die Studentin Pauline Brünger und die Schülerin Christina Schliesky, Sprecherinnen von Fridays for Future Deutschland, werden die Auszeichnung vor Ort entgegen-nehmen. Die Preisträger 2020 werden per Videobotschaft aus Wien hinzugeschaltet. Auf dem Programm des Menschenrechtskonzerts steht “Des Antonius von Padua Fischpredigt” von Gustav Mahler (Solist: Markus Eiche) und Beethovens 4. Symphonie. Adam Fischer dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.  Der Menschenrechtspreis wird gestiftet von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle Düsseldorf. Bisherige Preisträger sind die Organisation “Ärzte ohne Grenzen” (2016), das Flüchtlingscamp “Kara Tepe” auf Lesbos (2017), der US-amerikanische Geschäftsmann und Philanthrop George Soros (2018) und der Verein “Praxis ohne Grenzen” (2019). Dirigent Adam Fischer, der den Menschenrechtspreis initiiert hat, tritt selbst seit Jahren als leidenschaftlicher Vertreter von Freiheit und Menschenrechten auf und ist in verschiedenen Menschenrechtsorganisationen aktiv. Für sein humanitäres Engagement wurde er 2018 mit dem Wolff-Preis ausgezeichnet und die NGO “Hungarian Helsinki Committee”, deren Aufsichtsrat Fischer angehört, ist für den Friedensnobelpreis 2021 nominiert.


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Gastbeitrag, Adam Fischer: »Die Wahrheit ist ein Menschenrecht«

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GastbeitragAdam Fischer: »Die Wahrheit ist ein Menschenrecht«In einem Gastbeitrag erklärt Adam Fischer, warum er Mimikama und Fridays for Future Deutschland mit dem Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf auszeichnet: Als ich den Posten des Principal Conductor der Düsseldorfer Symphoniker annahm, habe ich mir überlegt, wie wir an der Tonhalle musikalisches Engagement mit gesellschaftlichem Engagement verbinden könnten. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich selbst in verschiedenen Menschenrechtsorganisationen aktiv, zum Beispiel im ungarischen Helsinki-Komitee. Und so ist mit großer Unterstützung aus der Tonhalle die Idee eines Menschenrechtspreises entstanden – dem ersten überhaupt, der von einem Konzerthaus vergeben wird. Die Auszeichnung ist mir eine echte Herzensangelegenheit. Seit 2016 verleihen wir im Rahmen eines Sonderkonzerts mit den Düsseldorfer Symphonikern den Preis an eine Person oder Organisation, die sich in besonderem Maße für die Menschenrechte einsetzt. Dank der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle ist die Auszeichnung mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden.  Am 14. März werde ich im Rahmen des diesjährigen Menschenrechtskonzerts in der Tonhalle den Preis gleich zweimal vergeben, weil im vergangenen Jahr das Konzert aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen musste. Die Preisträger sind Klimaschützer und Kämpfer gegen Fake News:   Der Menschenrechtspreis 2020 geht an Mimikama. Der Verein mit Sitz in Wien engagiert sich seit 2011 gegen jegliche Form von Internetmissbrauch. Mittels verschiedener Social-Media-Kanäle und einer Webseite macht Mimikama rassistisch motivierte Inhalte und Falschmeldungen transparent. Mimikama hilft Nutzern dabei, Falsches von Fakten zu unterscheiden.   Die Preisträger 2021 sind Fridays for Future. Die Bewegung von Schülerinnen, Schülern und anderen jungen Menschen setzt sich weltweit für den Klimaschutz ein. Nach dem Vorbild von Greta Thunberg und ihrem “Schulstreik für das Klima“ demonstrieren seit 2018 auch in Deutschland tausende Kinder und Jugendliche für die Einhaltung der Klimaziele, die 2015 von den UN-Staaten im Pariser Abkommen beschlossen wurden.    Warum ein Menschenrechtspreis für Internet- und Klimaaktivisten, werden Sie sich vielleicht fragen?  Die Corona-Pandemie hat gezeigt, welches Dilemma entsteht, wenn die Interessen Einzelner mit dem gemeinschaftlichen Interesse kollidieren. Viele Menschen müssen aktuell auf persönliche Freiheiten verzichten, um vulnerable Gruppen zu schützen, obwohl sie selbst wahrscheinlich ein geringes Risiko haben schwer zu erkranken. Aber wo verläuft die Grenze zwischen Gemeinschaftsinteresse und individuellem Interesse? Corona hat uns gezeigt, dass sie nicht dort verläuft, wo wir dachten und wo es uns genehm ist.  Die eigene Freiheit zugunsten anderer einzuschränken, fällt umso schwerer, je später sich die Wirkung dieses Verhaltens zeigt. Das ist ein Problem für Fridays for Future. Was ändert es schon, wenn ich jetzt auf eine Flugreise verzichte oder mein Auto stehen lasse? Die Klimakatastrophe ist gefühlt noch sehr weit weg, die schlimmsten Folgen zeigen sich vielleicht erst in fernerer Zukunft. Was wir jetzt für oder gegen das Klima tun, sieht man nicht in ein paar Wochen oder Monaten – anders als bei der Pandemie, wo ein Lockdown schon nach kurzer Zeit Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen hat, und wir trotzdem mit der Einschränkung unserer persönlichen Freiheit hadern.   Ich halte den Klimawandel für die größte gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit, um ein Vielfaches herausfordernder als Corona. Er macht es nötig, das gemeinsame Interesse zu sehen und die eigenen Interessen hintanzustellen. Wir müssen das Klima für nachfolgende Generationen schützen und dürfen unsere Freiheitsrechte nicht so missbrauchen, dass wir die Welt zerstören. „Use, but not misuse“, würde man im Englischen sagen: Wenn die Menschheit nicht lernt, Freiheitsrechte nicht zu missbrauchen, dann ist die Freiheit insgesamt in Gefahr. Jetzt ist unsere letzte Chance, die Klimakrise demokratisch zu bewältigen. Wenn wir nicht wollen, dass unsere Gesellschaft diktatorisch wird, müssen wir auf Fridays for Future hören.   Die Meinungsfreiheit ist ein kostbares Gut. Doch wie kann sie gewahrt bleiben in einer Zeit, in der Falschmeldungen und Verschwörungstheorien auf dem Vormarsch sind? Mir wurde zum ersten Mal 2016 bewusst, dass die neuen Möglichkeiten, die die sozialen Medien unserer Informationsgesellschaft bieten, auch eine dunkle Seite haben. Damals häuften sich populistische Entscheidungen wie das Brexit-Referendum oder die Wahl Trumps. Facebook, Twitter und andere soziale Medien wurden dabei erheblich zur Beeinflussung der Gesellschaft genutzt und haben es überhaupt erst ermöglich, dass Fake News derart verbreitet werden konnten. Mimikama haben die Problematik von Falschmeldungen und Hetze im Internet früher erkannt als viele andere, der Verein existiert bereits seit zehn Jahren. Sie haben damals schon gesehen, was vielen von uns erst die Corona-Pandemie deutlich vor Augen geführt hat: Um die Redefreiheit zu schützen, müssen wir gegen ihren Missbrauch und die Verbreitung von Fake News kämpfen.  Es gibt immer mehr Menschen, die Falschmeldungen für bare Münze nehmen. Das Problem ist aber nicht, dass uns falsche Propheten falsche Wahrheiten erzählen. Das Problem ist, dass die falschen Wahrheiten geglaubt werden. Wir müssen alles dafür tun, dass man Virusleugnern und Klimaleugnern nicht glaubt. Das schaffen wir nur durch Aufklärung. Wir Künstler, die in der Öffentlichkeit stehen, haben umso mehr die Pflicht und Verantwortung, mit gutem Beispiel voranzugehen. Die Wahrheit ist auch ein Menschenrecht. Und weil sich Mimikama und Fridays for Future ihr mit Haut und Haaren verschrieben haben, sind sie mehr als würdige Preisträger.  Menschenrechtskonzert und Preisverleihung werden am 14. März 2021 um 20 Uhr im Livestream auf tonhalle.de und dem YouTube-Kanal der Tonhalle kostenlos übertragen. Vertreterinnen von Fridays for Future Deutschland werden die Auszeichnung vor Ort persönlich entgegennehmen. Die Preisträger von Mimikama werden per Videobotschaft aus Wien hinzugeschaltet. Auf dem Programm des Menschenrechtskonzerts steht “Des Antonius von Padua Fischpredigt” von Gustav Mahler (Solist: Markus Eiche) und Beethovens 4. Symphonie. Adam Fischer dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.  


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Aus „Des Knaben Wunderhorn“, Mahler: Des Antonius von Padua Fischpredigt

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Aus „Des Knaben Wunderhorn“Mahler: Des Antonius von Padua Fischpredigt„Der Kern der Mahlerschen Musik ist das Volkslied“, schrieb der Dirigent Willem Mengelberg in seinem 1923 erschienenen Mahler-Buch. Tatsächlich war Mahler ein Komponist, der sich zeitlebens an vokalen Modellen orientierte, und immer wieder griff er auch in seinen Symphonien auf eigene Liedvertonungen zurück. Besonders angetan hatte es ihm die von Achim von Arnim und Clemens Brentano 1806 und 1808 in drei Bänden herausgegebene Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“. Diese Poesie war für ihn ein unerschöpflicher Quell der Inspiration. Dabei spiegeln Mahlers musikalische Umsetzungen weniger den typisch romantischen Verklärungston wider, vielmehr tun sie in ihrer naturhaft-ungekünstelten, zuweilen drastischen Unmittelbarkeit so, als handelten die Gedichte direkt von der Gegenwart: Heitere und übermütige Gesänge stehen neben der Beschreibung tiefernster und auswegloser Situationen. Vor ihm hatten bereits Robert Schumann und Johannes Brahms einzelne Texte aus dieser Volksliedsammlung vertont, aber Mahler brachte es auf insgesamt vierundzwanzig „Wunderhorn“-Lieder. Die Vertonung „Des Antonius von Padua Fischpredigt“ beschäftigte Gustav Mahler in den Sommermonaten des Jahres 1893, die er in seinem „Komponierhäusl“ in Steinbach am Attersee verbrachte. Er schrieb zunächst eine Fassung für Klavier und „tiefe“ Singstimme, bevor am 1. August die Orchesterfassung fertig gestellt war. Wie in vielen Gedichten der „Wunderhorn“-Sammlung geht es auch in der Fischpredigt um das „widerspenstige Volk“, wie es Friedrich Nietzsche einmal beschrieb. Der Priester Antonius von Padua war ein Zeitgenosse des Franz von Assisi, und seine Legendenbildung begann bereits zu seinen Lebzeiten. Schon in frühen Quellen werden ihm zahlreiche Wunder nachgesagt, so etwa die den Fischen gehaltene Predigt nahe der Stadt Rimini: da sein Versuch, den Stadtbewohnern eine Predigt gegen die Lehren der Katharer zu halten, fehlschlug, richtete der Heilige seine Worte am Ufer des Meeres an die Fische, die ihm der Überlieferung zufolge genauso andächtig zuhörten wie dem heiligen Franz von Assisi die Vögel. Doch ähnlich den Menschen ändern auch die Fische nicht ihr „sündiges“ Verhalten durch Antonius' fromme Worte. Mahlers Vortragsbezeichnung „Behäbig, mit Humor“ setzt die Hörerschaft zunächst auf die falsche Fährte, denn die für das Lied ausgewählte Tonart c-Moll lässt das leichte Schmunzeln ob der grotesken Situation schnell in ein tiefsinniges Nachdenken übergehen: Mahlers Vertonung stellt die Frage nach dem (nicht nur christlichen) Wahrheitsanspruch der Menschheit. Schließlich ist die Natur solcherlei anthropozentrischen Ideologien gegenüber gleichgültig. Die Natur braucht die Menschen nicht. Aber wir brauchen sie, und wie! Des Antonius von Padua Fischpredigt
(Achim von Arnim und Clemens Brentano) Antonius zur Predigt
Die Kirche find’t ledig!
Er geht zu den Flüssen
und predigt den Fischen!
Sie schlag’n mit den Schwänzen!
Im Sonnenschein glänzen!
Im Sonnenschein, Sonnenschein glänzen,
sie glänzen, sie glänzen, glänzen!

Die Karpfen mit Rogen
seynd all’ hierher zogen,
hab’n d’Mäuler aufrissen,
sich Zuhörn’s beflissen!
Kein Predigt niemalen
den Fischen so g’fallen!

Spitzgoschete Hechte,
die immerzu fechten,
sind eilend herschwommen,
zu hören den Frommen!

Auch jene Phantasten,
die immerzu fasten:
die Stockfisch ich meine,
zur Predigt erscheinen.
Kein Predigt niemalen
den Stockfisch so g’fallen.

Gut Aale und Hausen,
die vornehme schmausen,
die selbst sich bequemen,
die Predigt vernehmen!

Auch Krebse, Schildkroten,
sonst langsame Boten,
steigen eilig vom Grund,
zu hören diesen Mund!
Kein Predigt niemalen
den Krebsen so g’fallen!

Fisch große, Fisch’ kleine,
vornehm’ und gemeine,
erheben die Köpfe
wie verständ’ge Geschöpfe!
Auf Gottes Begehren
die Predigt anhören!

Die Predigt geendet,
ein Jeder sich wendet.
Die Hechte bleiben Diebe,
die Aale viel lieben;
die Predigt hat g’fallen.
sie bleiben wie allen!

Die Krebs’ geh’n zurücke,
die Stockfisch’ bleib’n dicke,
die Karpfen viel fressen,
die Predigt vergessen!
Die Predigt hat g’fallen
sie bleiben wie allen. Gustav Mahler: Des Antonius von Padua Fischpredigt aus „Des Knaben Wunderhorn“
Länge: 4 Min. Foto: Oskar Laske, Fischpredigt, 1919. Lithografie in Farbe (c) Ausstellungskatalog Oskar Laske, Kunsthaus Wien 1996


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, Solist: Markus Eiche

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Solist: Markus EicheDer international renommierte Bariton Markus Eiche ist neben seiner Weltkarriere als Konzert- und Opernsänger immer auch wieder in Liederabenden zu hören. Beim Menschenrechtskonzert in der Tonhalle Düsseldorf wird er Gustav Mahlers "Des Antonius von Padua Fischpredigt" singen. Markus Eiche wurde in St. Georgen im Schwarzwald geboren, studierte in Karlsruhe und Stuttgart und ist Preisträger einiger nationaler und internationaler Gesangswettbewerbe. Er begann seine Karriere am Nationaltheater Mannheim, wo er sich die wichtigen Partien seines Faches erarbeitete. Danach war der vielgefragte Sänger sowohl an die Wiener Staatsoper als auch an die Bayerische Staatsoper mit Residenzverträgen gebunden. Als Faninal in "Der Rosenkavalier" debütierte er an der Metropolitan Opera, New York, an der Bayerischen Staatsoper München sang er Luther in Kreneks "Karl V.", am Royal Opera House Covent Garden in London den Gott Donner in "Das Rheingold". Einen außerordentlichen Erfolg hatte Eiche als Graf Andrea Vitelozzo Tamare in "Die Gezeichneten" in einer konzertanten Aufführung mit dem Netherlands Radio Philharmonic im Concertgebouw Amsterdam. Die Partie des Wolfram in "Tannhäuser" sang er beim Wagner Festival in Budapest sowie beim Gastspiel der Oper Leipzig in Hongkong. An der Bayerischen Staatsoper übernahm er den Donner in "Das Rheingold" und Gunther in "Die Götterdämmerung" sowie die Rolle des Beckmessers in "Die Meistersinger". An der Wiener Staatsoper und der Semperoper Dresden war er als Faninal in "Der Rosenkavalier" zu erleben. Beim Hessischen Rundfunk nahm er die Partie des Ottokar im "Freischütz" auf CD auf und mit den Dortmunder Philharmonikern Mahlers 8. Symphonie. Markus Eiche gastierte unter anderem an der Mailänder Scala, bei der Münchener Biennale, an der Nederlandse Opera Amsterdam, der Komischen Oper Berlin, der Staatsoper Unter den Linden Berlin, der Semperoper Dresden und der Staatsoper Stuttgart. Mit dem Gran Teatre del Liceu Barcelona verbindet den Künstler eine mehrjährige Zusammenarbeit, bei den Salzburger Festspielen war er mehrfach zu Gast. Seit 2007 singt Markus Eiche regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen. Herausragende Projekte waren die Titelpartie in "Cardillac" beim Bayerischen Rundfunk, Blaubart in "Blaubarts Burg" beim Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra, Fritz und Frank in der "Toten Stadt" an der Finnish National Opera in Helsinki, Lescaut in einer Neuproduktion von Puccinis "Manon Lescaut" an der Bayerischen Staatsoper mit Kristine Opolais und Jonas Kaufmann sowie Golaud in einer Neuproduktion von Debussys "Pelléas et Mélisande". Seit 2018 ist Markus Eiche Professor an der Freiburger Musikhochschule.


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, Beethoven: Symphonie Nr. 4

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Beethoven: Symphonie Nr. 4Robert Schumann charakterisierte Beethovens Vierte einmal als die „griechisch schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen“. Besonders im Vergleich zu den monumentalen Architekturen der Dritten und Fünften – die er 1806 weitgehend parallel zur Vierten schrieb – ist dies ein sehr treffendes Bild. Denn die Leichtigkeit und Flexibilität, mit der Beethoven hier auf der Klaviatur der Ausdrucksformen seiner Zeit spielt, zaubert seiner Zuhörerschar gleichsam ein Lächeln in die Ohren. Dabei imaginieren die einzelnen Bausteine der 4. Symphonie für sich betrachtet nicht unbedingt griechisch Schlankes, womöglich Graziöses. Die unsicher nach harmonischem Boden suchende Einleitung ebenso wenig wie die Akkord-Repetitionen und Paukenschläge, die sich um das überschwängliche Hauptthema ranken. Auch nicht die widerborstige Metrik des dritten Satzes, in dem genüsslich die Zwei gegen die Drei kämpft. Wie Beethoven aber mit den Prinzipien von Spannung und Lösung jongliert, wie er die Dramatik nie in Richtung Katastrophe steuert, sondern vorher lächelnd abbiegt, als sei dies alles nur ein Spiel, atmet eine Freiheit, wie sie in jenem sonnigen Griechenland gedeihen mochte, das in der literarischen Klassik Inbild unbeschwerten Glücks war. Und das musikalisch später von Mendelssohn heraufbeschworen werden sollte, der wohl nicht von ungefähr diese Symphonie für sein Antrittsdirigat am Leipziger Gewandhaus wählte. In allen vier Sätzen der Vierten feiern die elementaren Kräfte von Rhythmus, Melos und Harmonik Triumphe in einem Spiel, dessen wichtigste Regeln sind: Nimm eine Idee und erfinde dann einen größtmöglichen Gegensatz. Dann lass die beiden sich aneinander entzünden, aber achte darauf, dass beide aus der Konfrontation heil und bereichert wieder hervorgehen. Diese Konfrontationen könnten heißen: „Suchen und Finden“ im ersten, „Melos und Motorik“ im zweiten, „gerade und ungerade“ im dritten, Linie und Geflecht im vierten Satz. Zu Lebzeiten Beethovens war die Vierte sehr beliebt, während sie heute ein gewisses Schattendasein zwischen den beiden „Nordlandriesen“ fristet. Wurde ihr die Leichtigkeit zum rezeptionsgeschichtlichen Verhängnis? Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 4 B-Dur op. 60
Länge: 34 Min. Foto: Autogramm von Beethoven (c) Deutsches Historisches Museum


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, Gesprächsrunde zum Menschenrechtspreis

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Gesprächsrunde zum MenschenrechtspreisIm Rahmen des Menschenrechtskonzerts am 14. März 2021 wird der Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf gleich zweimal vergeben: Der österreichische Verein Mimikama, der sich gegen die Verbreitung von Falschmeldungen im Internet einsetzt, erhält nachträglich den Menschenrechtspreis 2020, da die Verleihung im Vorjahr coronabedingt nicht stattfinden konnte. Der Menschenrechtspreis 2021 geht an die jungen Klimaaktivisten von Fridays for Future Deutschland. Da Mimikama wegen aktueller Reisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen nicht aus Wien zum Konzert anreisen können, haben sich Dirigent Adam Fischer und die Preisträger am Vorabend des Konzerts zu einer Videokonferenz getroffen. Christina Schliesky, Sprecherin von Fridays for Future, und Tom Wannenmacher und Andre Wolf, Gründer und Sprecher von Mimikama, unterhielten sich mit Fischer über ihr Engagement für Wahrheit und Umwelt, über Musik und Menschenrechte, die Bedeutung des Menschenrechtspreises und die Auswirkung von Corona auf ihre Arbeit. Moderiert wurde die Gesprächsrunde zum Menschenrechtspreis von dem Wissenschaftsjournalisten Stefan Schulze-Hausmann. Die Videokonferenz wurde am 13. März 2021 veröffentlicht und bleibt dauerhaft im Netz abrufbar.