Franz Schubert: “Rosamunde”-Ouvertüre

Schubert und das Theater? Eine zwiespältige Beziehung. Der Meister des Kunstlieds und des lyrischen Verweilens war sicher kein geborener Musikdramatiker. Dennoch hatte er den Ehrgeiz, auch auf der Bühne zu reüssieren, und mit „Alfons und Estrella“ und „Fierrabras“ schuf er in späten Jahren immerhin zwei sehr reizvolle Opern. Was kaum bekannt ist: Im Laufe seines kurzen Lebens hat Schubert ca. 15 Singspiele, Possen, Melodramen und Schauspielmusiken komponiert, in der Regel Gelegenheitswerke für kleinere Theater. Diese litten schon in der Genese unter dem Umstand, dass es den Theatern bei diesen Stücken vor allem darum ging, das Können ihrer Bühnenmaschinerie zu demonstrieren. Text und Musik waren zweitrangig, und die Stücke – so reizvoll sie musikalisch waren – verschwanden in der Regel schnell wieder vom Spielplan. So auch das Melodram „Die Zauberharfe“, das Schubert 1820 für das Theater an der Wien schrieb.

Glück im Unglück hatte die Ouvertüre: Für die Musik zu Helmina von Chézys „großem romantischen Schauspiel“ „Rosamunde“ (1823) hatte Schubert zunächst die Ouvertüre von „Alfons und Estrella“ (1821) vorgesehen. Nach der Uraufführung empfand er diese jedoch als zu „aufhauerisch“, so erklang in späteren Aufführungen die „Zauberharfe“-Ouvertüre, deren vom Dunkel ins Licht führender musikalischer Verlauf viel besser zu dem glücklich endenden Drama um die zypriotische Prinzessin Rosamunde passte. Zwar floppte „Rosamunde“ als Ganzes, die Orchesternummern aber – und besonders die Ouvertüre – sind fest in den Kanon frühromantischer Konzertmusik eingegangen. Ein überaus erfolgreiches Recycling.

Franz Schubert, Die Zauberharfe. Ouvertüre C-Dur D 644 "Rosamunde"
Länge: 10 Min.

Foto: Theater an der Wien (c) Sabine Hauswirth