
Liebe Frau Elsadik,
lieber Herr Fischer,
lieber Bürgermeister Josef Hinkel,
liebe Anwesende.
Danke, Frau Elsadik, für ihren großartigen und bewundernswerten Kampf gegen die Menschenrechtsverletzungen im Sudan.
Auch ich bin voller Bewunderung
für ihr Engagement,
für ihre Unerschrockenheit,
für ihren Mut.
Danke, lieber Herr Fischer, dass Sie uns heute mit dem von Ihnen ins Leben gerufenen Menschenrechtspreis die Möglichkeit geben, Frau Elsadik zu feiern und zu ehren.
Danke auch an sie alle hier, dass sie heute in die Tonhalle gekommen sind.
Sie zeigen damit, dass sie die Menschenrechtsidee schätzen und für unverzichtbar halten.
Sie zeigen damit, dass alle Menschen, also restlos alle Mitglieder unserer Menschheitsfamilie,
ein unbedingtes Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit haben.
Zu den Menschenrechten zählt eben auch die Meinungsfreiheit.Sie zeigen mit ihrer Anwesenheit heute, dass sie es für richtig und wichtig halten, dass wir alle unsere Meinung frei - und das heißt ohne Angst vor Strafe - äußern dürfen.
Sie zeigen heute auch, dass sie alle den Moskauer Strafprozess gegen mich, der kurz vor Weihnachten des letzten Jahres begonnen hat, verurteilen.
Jetzt am Donnerstag, also in vier Tagen, ist der nächste Prozesstag –
und möglicherweise auch der letzte.
Und ich erwarte ein wirklich hartes Urteil.
Es hat in den letzten Wochen und Monaten viele Solidaritätsbekundungen für mich und mein Wagenbauteam gegeben, aus allen Teilen der Gesellschaft, aus dem Brauchtum, aus der Politik und aus den Medien.
Ich begrüße das sehr. Das ist wichtig.
Denn dieser Prozess ist kein Angriff speziell auf mich oder auf die Narrenfreiheit allein
– er ist ein direkter Angriff auf unser aller Freiheiten.
Er ist ein Angriff auf die liberalen Fundamente unseres Zusammenlebens.
Eine freie Gesellschaft darf es sich nicht gefallen lassen, dass Kritik, dass Satire, dass die Meinungsfreiheit diffamiert und kriminalisiert wird – von wem auch immer.
Eine freie Gesellschaft muss solche Angriffe entschlossen abwehren
– und das tun wir heute, gemeinsam.
Danke dafür.
Und wenn ich schon einmal beim Bedanken bin:
Ich bedanke mich hiermit ausdrücklich auch
bei Präsident Putin,
seiner Entourage,
seinem Regime
und vor allem natürlich danke ich auch Putins willfährigen Helfern in der russischen Unrechtsjustiz.
Klar, so ein Prozess ist für mich kein Vergnügen, er ist bedrohlich und ich wünschte, er würde nicht stattfinden.
Aber dennoch spreche ich auch in diese Richtung ein Dankeschön aus.
Denn jeder kann nun deutlich sehen, dass das russische Regime tatsächlich Angst vor närrischen Pappfiguren hat.
Dank euch, ihr Staatsanwälte und Ankläger des berüchtigten russischen Basmanny-Gerichts, kann jeder sehen, wie viel Furcht ihr von Kritik und Satire habt, wie klein und wie peinlich unsouverän ihr seid.
Ja, das ist das einzig Positive, dass ich diesem Prozess abgewinnen kann:
Jedermann und jederfrau steht jetzt klar vor Augen, wie groß eure Angst vor einer freien Gesellschaft, vor freien und selbstbestimmten Individuen ist.
Mit diesem Prozess macht ihr euch selbst zum Narren.
Deshalb kann diese Anklage weder mich, noch mein Team, noch das Comitee Düsseldorfer Carneval wirklich einschüchtern.
Denn wir wissen nun, welch starke Wirkung kritische Satire haben kann.
Das schüchtert uns nicht ein, das motiviert uns.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
(Die Rede hielt Jacques Tilly am 29. März 2026 im Rahmen des Menschenrechtskonzerts in der Tonhalle Düsseldorf.)