
Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Düsseldorferinnen und Düsseldorfer,
wenn die Tonhalle einhundert Jahre alt wird, ist das selbstverständlich für Düsseldorf ein Grund zu feiern.
Da es sich hier aber um einen sehr besonderen Veranstaltungsort handelt, ein die Stadt und die Stadtgesellschaft seit langem prägendes Konzerthaus und so auf ihre Weise ein Kapitel Identitätsgeschichte darstellt, darf sich auch der Bundespräsident in die Reihe der Gratulanten einreihen.
Es sind die Städte und Gemeinden, in denen wir unser Zusammenleben in erster Linie gestalten. Und dieses Zusammenleben braucht Orte der Begegnung und Symbole der Identität. Das alles ist die Tonhalle Düsseldorf in besonderem Maße.
Es ist zum einen die unverwechselbare Architektur, die die Tonhalle bis heute zu ihrem singulären Erscheinungsbild verholfen hat: Die kreisrunde äußere Gestalt, die Kuppel, die expressionistischen Formen: All das macht die Düsseldorfer Tonhalle zu einem sehr besonderen architektonischem Stadtelement, auf das man in Düsseldorf mit Recht nicht wenig stolz ist.
Zum anderen ist es die Tatsache, dass die Tonhalle einst so geplant war, dass sie auch als Planetarium genutzt werden konnte. Das ist bis heute sichtbar und wird durch das aktuelle Beleuchtungskonzept noch einmal betont. Und ich finde: Es ist auf eine fast schon hintergründig- philosophische Weise angemessen, wenn man bei dieser Halle von einem »Planetarium der Musik« spricht. Denn die Musik, die im Inneren der Tonhalle erklingt – von der Klassik über den Jazz bis hin zum Pop und zum Chanson ist hier nahezu alles zu hören – ist überaus vielfältig. Sie führt uns Hörerinnen und Hörer in immer wieder andere, manchmal auch vielleicht überirdische Sphären.
Oder sagen wir so: Jede Musikrichtung, die wir bei einem Besuch in der Tonhalle hören, stellt so etwas wie einen eigenen Planeten dar. Das Schöne ist, dass sich hier, an diesem besonderen Ort, immer abwechselnd, die verschiedenen Planeten bewegen. Sie schließen einander nicht aus, sondern halten sich, genau wie ein echtes Planetensystem, gegenseitig im Gleichgewicht und ermöglichen einander die je eigenen Bahnen. So eröffnen sie dem Publikum die Möglichkeit, die den eigenen Lieben und Vorlieben entsprechende Musik zu finden – oder sich einmal neugierig auf einem noch unbekannten musikalischen Planeten umzusehen.
Viele Konzertgäste, vielleicht auch manche von Ihnen, werden hier in der Tonhalle wunderbare und bewegende Erlebnisse gehabt haben, die lange nachwirken und prägen. Gerade auch, weil Konzerte tiefe Gemeinschaftserlebnisse sein können. Die Tonhalle ist für unzählige Düsseldorferinnen und Düsseldorfer – und gewiss auch für nicht wenige aus dem näheren oder weiteren Umland – zu einem wesentlichen Stück kultureller Heimat geworden, einem Stück Heimat, das die Identität einer Stadtgesellschaft im besten Sinne mitprägt.
Auch deshalb wünsche ich der Tonhalle Düsseldorf eine gute Zukunft – und den Düsseldorferinnen und Düsseldorfern meinen Glückwunsch dazu, dass sie die Tonhalle haben, dass sie sie nutzen und dass sie für alle immer wieder zu einem Himmel voller Musik wird.

Frank-Walter Steinmeier
Berlin, Mai 2026
(Foto: Steffen Kugler)