Nach Klavierstücken von Francis Poulenc

Jean Francaix: Musique pour faire plaisir

„Musique pour faire plaisir“ – „Musik, um Freude zu bereiten“: So nannte Jean Francaix seine 1984 entstandene Suite, in der er einige Klavierstücke seines Landsmanns und Weggefährten Francis Poulenc für zehn Blasinstrumente arrangierte. Ein gut gewählter Titel, denn genau so lässt sich das musikalische Streben beider Komponisten auf den Punkt bringen. Sie wollten eine einfache Musik zu schaffen, die vor allem eins bereitet: Vergnügen.

Das deckte sich mit dem Ansatz der „Groupe des Six“, jenem Kreis lose verbundener Komponisten, die sich 1918 in Paris zusammengetan hatten, um ein neues Verständnis von Musik zu etablieren. Neben Arthur Honegger, Georges Auric, Darius Milhaud, Louis Durey und Germaine Tailleferre war auch Poulenc „offizielles“ Mitglied der Gruppe, der deutlich jüngere Françaix hat ihren Geist fortgeschrieben. „Simplicité“ statt „Sublime“ lautete das Motto. Die großen Vorbilder waren Erik Satie und Jean Cocteau. „Ich wünsche mir von Frankreich französische Musik“, schrieb letzterer. Gemeint war eine Abgrenzung vom metaphysisch geprägten, romantischen Tiefsinn à la Wagner. „Wir sollten eine eigene Musik haben – wenn möglich, ohne Sauerkraut”, formulierte es Satie. Aber auch der impressionistische Klangnebel eines Debussys war passé. Stattdessen orientierte man sich an klarer Musik in der Tradition von Bach und Rameau, den rhythmisch-eruptiven Primitivismen Strawinskys sowie der ironischen Unaufdringlichkeit Saties selbst. Auch Zirkus- und Varietémusik sowie Jazz prägten den französischen Neoklassizismus. In formaler Hinsicht erhielten spontan-heitere Stücken den Vorzug vor „erhaben Gattungen“ wie Symphonie, Streichquartett oder Sonate. Typische Stilelemente waren perkussives Klavierspiel sowie der Einsatz vieler Bläser wie sie auch in Françaix‘ „Musique pour faire plaisir“ erklingen.

Cocteaus Wunsch nach einer „musique française“ wurde von Françaix beispielhaft erfüllt. Seine Werke sprühen nur so vor Raffinesse und Witz und zeichnen sich durch ebenso große Eleganz wie Unbefangenheit aus. Seinen melodisch verspielten und rhythmisch prägnanten Stil entwickelte Françaix schon früh. „Wie frisches Wasser, das mit der anmutigen Ursprünglichkeit alles Natürlichen aus der Quelle hervorsprudelt – und gleichzeitig wie die Schöpfung eines Künstlers, der eine Klarheit und ein Bewusstsein besitzt, die man heute nur selten findet“, schwärmte der Kritiker Heinrich Strobel, als Françaix im zarten Alter von 20 Jahren schlagartig bekannt wird. Und auch seine Lehrerin Nadja Boulanger attestierte bereits dem 10-Jährigem beachtliches Talent: „Madame, ich weiß nicht, warum wir Zeit damit verschwenden, ihn zu unterrichten in Harmonie, er kennt Harmonie. Ich weiß nicht, wie, aber er weiß es, er wurde mit diesem Wissen geboren“, schrieb sie seiner Mutter.

Jean Francaix: Musique pour faire plaisir (nach Klavierstücken von Francis Poulenc)
Länge: 9 Min.

Foto: Paris, 14. juillet 1920 (c) Imgur.com