, Livestream mit Alexandre Bloch

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Livestream mit Alexandre BlochDa in den deutschen Konzerthäusern weiterhin keine Veranstaltungen mit Publikum stattfinden dürfen, lädt die Tonhalle ihre Gäste am Freitagabend zu einem Livestream ein: Am 11. Dezember um 20 Uhr spielen die Düsseldorfer Symphoniker unter Alexandre Bloch Werke von Wagner, Poulenc und Strawinsky – live übertragen auf tonhalle.de. „Hommages“ wäre eine passende Überschrift für das Programm: Strawinskys Concerto Es-Dur „Dumbarton Oaks“ ist eine Hommage an Bachs Brandenburgischen Konzerte, das intime „Siegfried-Idyll“ von Richard Wagner war ein Geburtstagsgeschenk für seine Frau, Poulenc erwies mit seiner „Sinfonietta“ seinem Vorbild Mozart alle Ehre. Ursprünglich hätte an diesem Wochenende „prometheus dis.order“ in der Tonhalle aufgeführt werden sollen – mit den Düsseldorfer Symphonikern, Solisten des Balletts am Rhein, einer medialen Inszenierung von TYE Shows und Dirigent Alexandre Bloch. Das Programm wird verschoben und als Eröffnungskonzert der nächsten Saison 2021/22 am 3., 5. und 6. September 2021 erklingen. Bitte merken Sie sich bereits jetzt einen weiteren Livestream vor: Das traditionelle Neujahrskonzert der Düsseldorfer Symphoniker wird am 1. Januar 2021 um 18 Uhr live aus dem Mendelssohn-Saal auf tonhalle.de übertragen. Alpesh Chauhan dirigiert ein deutsch-britisches Programm mit Werken von u. a. Mendelssohn, Arnold und Walton.


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Pressestelle Tonhalle, Marita Ingenhoven, Ehrenhof 1, D-40479 Düsseldorf
Tel: +49 211 91 38 75 53, Email: presse@tonhalle.de, www.tonhalle.de

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Programm des Livestreams, Igor Strawinsky: Concerto in Es „Dumbarton Oaks“

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Programm des LivestreamsIgor Strawinsky: Concerto in Es „Dumbarton Oaks“„Dumbarton Oaks“ heißt der Landsitz in der Nähe von Washington D.C., auf dem die amerikanischen Kunstmäzene Mildred und Robert Bliss von 1920 bis 1940 residierten. Es ist ein mehrfach geschichtsträchtiger Ort: Das Ehepaar Bliss gründete auf dem Grundstück eine renommierte Forschungsstelle für byzantinische Kunst und präkolumbische Kulturen, die seit langem zur berühmten Harvard University gehört. 1944 fand hier eine bedeutende Expertenkonferenz über die Entwicklung der Vereinten Nationen statt – und 1937/38 schrieb Igor Strawinsky in Dumbarton Oaks eines seiner meistgespielten Werke: Das Concerto in Es, das den meisten wohl vor allem unter seinem klangvollen Beinamen bekannt ist. Mildred und Robert Bliss hatten Strawinsky, den sie 1937 in New York kennen gelernt hatten, anlässlich ihres 30. Hochzeitstages um ein neues Werk gebeten und ihn auf Dumbarton Oaks eingeladen. In den prächtigen Gärten fand Strawinsky erste Inspirationen – und natürlich auch den Untertitel für das Werk. Ein anderes, weit tragischeres Ereignis spielte in das Werk hinein: 1937 starb Strawinsky Tochter Ludmilla an Tuberkulose. Während ihres Sterbeprozesses suchte Strawinsky Kraft und Trost in der Musik Johann Sebastian Bachs: „Ich war von Paris nach Annemasse in der Haute Savoie gezogen, um in der Nähe meiner Tochter Mika [Ludmila] zu sein, die todkrank an Tuberkulose war und dort in ein Sanatorium eingewiesen wurde“, resümiert er diese schwere Zeit. „Ich spielte während der Komposition des Konzerts regelmäßig Bach und fühlte mich sehr zu den „Brandenburgischen“ Konzerten hingezogen. Ob das erste Thema meines [ersten] Satzes jedoch eine bewusste Anleihe aus dem dritten Brandenburger ist, weiß ich nicht. Was ich sagen kann, ist, dass Bach es mir mit Sicherheit gerne geliehen hätte; eine solche Anleihe war genau das, was er gerne gemacht hätte.“ Zitate von anderen Komponisten verwendete Strawinsky in seiner neoklassischen Phase häufig. Aber Strawinsky wäre nicht Strawinsky, täte er dies nicht mit einem gehörigen Augenzwinkern und zahlreichen ironischen Brüchen. Auch in „Dumbarton Oaks“ knüpft er an alte Formen an – hier vor allem an das barocke Concerto grosso – und entwickelt sie auf eigene Weise weiter. Und das kam an! „Dumbarton Oaks“ geriet zu einem der erfolgreichsten Stücke seiner neoklassizistischen Phase, was sich in vielen Aufführungen und einem Folgeauftrag niederschlug: Mildred Bliss war so begeistert, dass sie bei ihm gleich eine weitere Komposition erbat, die „Symphonie en Ut“. „Dumbarton Oaks“ war das letzte Werk, das Strawinsky in Europa vollendete. Im September 1939 verließ der für Entwicklung der Moderne so einflussreiche Russe den alten Kontinent und emigrierte endgültig in die Vereinigten Staaten. Igor Strawinsky: Concerto in Es „Dumbarton Oaks“
1.     Tempo giusto
2.     Allegretto
3.     Con moto Foto: Das Musikzimmer von Dumbarton Oaks, Copyright: Jack E. Boucher, National Park Service - Library of Congress online collection


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Programm des Livestreams, Richard Wagner: Siegfried-Idyll

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Programm des LivestreamsRichard Wagner: Siegfried-IdyllWas für eine Liebeserklärung! Was für eine Liebesgeschichte! Und was für eine Verbindung von Liebe, Leben und Kunst! Wir schreiben das Jahr 1870: Richard Wagner und seine frisch angetraute Ehefrau Cosima – die Tochter von Franz Liszt – kennen sich bereits seit 13 Jahren und haben drei gemeinsame Kinder, als endlich so etwas wie Ruhe in ihre turbulente Beziehung einkehrt. Cosima hatte sich erst zwei Jahre zuvor von ihrem ersten Ehemann Hans von Bülow getrennt und nach jahrelanger Dreiecksbeziehung endlich ganz für Wagner entschieden. Ein Jahr später kommt der lang ersehnte Stammhalter Siegfried zur Welt und im Sommer 1870 schließlich folgt die Krönung: Richard und Cosima heiraten. Zum ersten Mal genießt der mittlerweile 57-jährige Komponist Familienglück und die wohl schönste Zeit seines Lebens. Künstlerischen Ausdruck finden seine Empfindungen in einem Unikum seines Werkkatalogs: dem „Siegfried-Idyll“, dem einzigen Werk Wagners in Kammerbesetzung. Es ist eine Liebeserklärung an Cosima und ein Geschenk zu ihrem 33. Geburtstag. Auf der Partitur notiert er: „Tribschener Idyll mit Fidi-Vogelgesang und Orange-Sonnenaufgang, als Symphonischer Geburtstagsgruß. Seiner Cosima dargebracht von Ihrem Richard.“ „Tribschen“ ist ihr Wohnort am Vierwaldstätter See, „Fidi-Vogelgesang“ wiederum spielt auf einen Vogel an, den Wagner am Morgen kurz vor der Geburt seines Sohnes Siegfried – genannt Fidi – zwitschern hörte. Und dass die Sonne zeitgleich die orangene Tapete im Zimmer in einen wahren Feuerzauber verwandelte, macht die Idylle perfekt. Die Uraufführung findet in solistischer Besetzung an Cosimas Geburtstag in der heimischen Villa statt. Als sie morgens aus dem Schlafzimmer tritt, wird sie von Musikern des Orchesters der Tonhalle Zürich überrascht, die das Werk im Treppenhaus für sie spielen. Wagner hat sie extra für Cosima kommen lassen. Zärtlich, liebevoll und verklärt erklingen die Melodien. Hornrufe und Vogelstimmen imaginieren akustisch die Bergwelt der Schweizer Alpen. Die Grundstimmung ist ungebrochen lyrisch und spiegelt Wagners freudige Erregung sowie die erlösende Ruhe wider, die endlich in sein Leben gekehrt ist. Opernfreunde werden zudem mehrere Leitmotive aus „Siegfried“ erkennen. Das „Siegfried-Idyll“ gilt als Wagners persönlichstes Werk und sollte eigentlich nie veröffentlicht werden. Als es 1878 dann doch an den Schott-Verlag verkauft wurde, änderte sich der ursprüngliche Titel „Tribschener Idyll“ in den bis heute gebräuchlichen. Foto: Liebigbilder 1913, Serie 883. Richard Wagner - 5 Die Insel der Seligen - Triebschen. Wagner dirigiert das Siegfried-Idyll an der Haustreppe 1870. Copyright: The Yorck Project - Liebig's Sammelbilder


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Programm des Livestreams, Francis Poulenc: Sinfonietta

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Programm des LivestreamsFrancis Poulenc: SinfoniettaDem eleganten Pariser Francis Poulenc ging es in seiner Musik nie um alles. Er wollte nur spielen, möchte man sagen. Seine Musik klingt leicht und geistreich, einfach und schnörkellos, tänzerisch und bisweilen satirisch – ein Gegenentwurf zum deutschen Tiefsinn, um ein altes Klischee zu bemühen. Und tatsächlich war es der bekennende Anti-Wagnerianer Erik Satie, der für den 19-Jährigen zur Schlüsselfigur bei der Entscheidung wurde, gegen den Willen seiner Eltern sein Leben der Musik zu widmen. Poulenc gehörte zur legendären „Group des Six“, deren Mitglieder im Geiste von Satie und Jean Cocteau die Ablehnung sowohl von Wagners Bekenntnismusik als auch von Debussys Impressionismus verband und die sich ein junges Komponieren im Zeichen von raffinierter Einfachheit, Neoklassizismus, Jazz und Varieté auf die Fahnen schrieben. Der Durchbruch gelang Poulenc 1923 mit der Ballettmusik „Les biches“, die er im Auftrag des großen Impressarios Sergej Diaghilew schrieb. Dem Charme und der klanglichen Attraktivität dieser Musik ist es zu verdanken, dass bald regelmäßige Kompositionsaufträge folgten, darunter auch 1947 ein Auftrag der BBC, die sich zum einjährigen Jubiläum ihres dritten Programms ein symphonisches Werk von ihm wünschten. Dass daraus eine „Sinfonietta“ wurde, ist typisch Poulenc, der sich eine gewisse Abneigung gegen die großen, bekenntnishaften Formen bewahrt hatte. Die „Sinfonietta“ folgt äußerlich dem tradierten Muster einer viersätzigen Symphonie, löst aber den im 19. Jahrhundert so intensiv betriebenen Beziehungsreichtum zwischen den einzelnen Sätzen, den Themen und Motiven so gar nicht ein. Mit leichter Hand verbindet Poulenc verschiedene musikalische Charaktere, die ebenso lose wie organisch aneinandergereiht werden. Eine Musik wie eine milde Sommerbrise. Immer wieder wird es tänzerisch, Mozart und Strawinsky klingen an, auch etwas Tschaikowsky. Besinnlich umfängt einen das Andante, und das Finale ist ein frech-fröhlicher Kehraus, der so klingt, als ob Joseph Haydn eine Nacht im Varieté verbracht hätte. Mehr braucht man nicht zu wissen, ganz im Sinne des Komponisten, der einmal gesagt haben soll: „Don’t analyze my music – love it!“ Francis Poulenc: Sinfonietta
1.     Allegro con fuoco
2.     Molto vivace
3.     Andante cantabile
4.     Finale Foto: Poulenc in Paris, Copyright: Collection Privée Benoit Seringe, Les amis de F. Poulenc


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