, Musik zum Trauern und zum Genießen

LANGVERSION
Musik zum Trauern und zum GenießenGrößer könnte der Bogen kaum sein, den Alexandre Bloch und die Düsseldorfer Symphoniker in diesem Livestream schlagen. Er führt von einer „Musik zum Genießen“ („Musique pour faire plaisir“) der beiden seelenverwandten Franzosen Jean Françaix und Francis Poulenc zur bewegenden Trauermusik der „Metamorphosen“, die Richard Strauss in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs schrieb. Dazwischen erklingt ein Klavierkonzert Wolfgang Amadeus Mozarts, der es wie kein anderer verstand, Vergnügen und Trauer in ein und derselben Musik zu bannen. Solist ist der österreichische Ausnahmepianist Till Fellner. Düsseldorfer Symphoniker
Till Fellner - Klavier
Alexandre Bloch - Dirigent Programm:
Jean Françaix / Francis Poulenc
Musique pour faire plaisir
Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 22 Es-Dur KV 482
Richard Strauss
Metamorphosen für 23 Solo-Streicher Der Livestream wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Freunde und Förderer der Tonhalle Düsseldorf e. V.


***

Pressestelle Tonhalle, Marita Ingenhoven, Ehrenhof 1, D-40479 Düsseldorf
Tel: +49 211 91 38 75 53, Email: presse@tonhalle.de, www.tonhalle.de

***


Nach Klavierstücken von Francis Poulenc, Jean Francaix: Musique pour faire plaisir

LANGVERSION
Nach Klavierstücken von Francis PoulencJean Francaix: Musique pour faire plaisir„Musique pour faire plaisir“ – „Musik, um Freude zu bereiten“: So nannte Jean Francaix seine 1984 entstandene Suite, in der er einige Klavierstücke seines Landsmanns und Weggefährten Francis Poulenc für zehn Blasinstrumente arrangierte. Ein gut gewählter Titel, denn genau so lässt sich das musikalische Streben beider Komponisten auf den Punkt bringen. Sie wollten eine einfache Musik zu schaffen, die vor allem eins bereitet: Vergnügen. Das deckte sich mit dem Ansatz der „Groupe des Six“, jenem Kreis lose verbundener Komponisten, die sich 1918 in Paris zusammengetan hatten, um ein neues Verständnis von Musik zu etablieren. Neben Arthur Honegger, Georges Auric, Darius Milhaud, Louis Durey und Germaine Tailleferre war auch Poulenc „offizielles“ Mitglied der Gruppe, der deutlich jüngere Françaix hat ihren Geist fortgeschrieben. „Simplicité“ statt „Sublime“ lautete das Motto. Die großen Vorbilder waren Erik Satie und Jean Cocteau. „Ich wünsche mir von Frankreich französische Musik“, schrieb letzterer. Gemeint war eine Abgrenzung vom metaphysisch geprägten, romantischen Tiefsinn à la Wagner. „Wir sollten eine eigene Musik haben – wenn möglich, ohne Sauerkraut”, formulierte es Satie. Aber auch der impressionistische Klangnebel eines Debussys war passé. Stattdessen orientierte man sich an klarer Musik in der Tradition von Bach und Rameau, den rhythmisch-eruptiven Primitivismen Strawinskys sowie der ironischen Unaufdringlichkeit Saties selbst. Auch Zirkus- und Varietémusik sowie Jazz prägten den französischen Neoklassizismus. In formaler Hinsicht erhielten spontan-heitere Stücken den Vorzug vor „erhaben Gattungen“ wie Symphonie, Streichquartett oder Sonate. Typische Stilelemente waren perkussives Klavierspiel sowie der Einsatz vieler Bläser wie sie auch in Françaix‘ „Musique pour faire plaisir“ erklingen. Cocteaus Wunsch nach einer „musique française“ wurde von Françaix beispielhaft erfüllt. Seine Werke sprühen nur so vor Raffinesse und Witz und zeichnen sich durch ebenso große Eleganz wie Unbefangenheit aus. Seinen melodisch verspielten und rhythmisch prägnanten Stil entwickelte Françaix schon früh. „Wie frisches Wasser, das mit der anmutigen Ursprünglichkeit alles Natürlichen aus der Quelle hervorsprudelt – und gleichzeitig wie die Schöpfung eines Künstlers, der eine Klarheit und ein Bewusstsein besitzt, die man heute nur selten findet“, schwärmte der Kritiker Heinrich Strobel, als Françaix im zarten Alter von 20 Jahren schlagartig bekannt wird. Und auch seine Lehrerin Nadja Boulanger attestierte bereits dem 10-Jährigem beachtliches Talent: „Madame, ich weiß nicht, warum wir Zeit damit verschwenden, ihn zu unterrichten in Harmonie, er kennt Harmonie. Ich weiß nicht, wie, aber er weiß es, er wurde mit diesem Wissen geboren“, schrieb sie seiner Mutter. Jean Francaix: Musique pour faire plaisir (nach Klavierstücken von Francis Poulenc)
Länge: 9 Min. Foto: Paris, 14. juillet 1920 (c) Imgur.com


***

Pressestelle Tonhalle, Marita Ingenhoven, Ehrenhof 1, D-40479 Düsseldorf
Tel: +49 211 91 38 75 53, Email: presse@tonhalle.de, www.tonhalle.de

***


, Mozart: Klavierkonzert Nr. 22 Es-Dur

LANGVERSION
Mozart: Klavierkonzert Nr. 22 Es-DurWolfgang Amadeus Mozart war nicht nur Komponist, sondern auch ein begnadeter wie leidenschaftlicher Pianist. Aus den Schuhen des Wunderkinds herausgewachsen, gehörte das Konzertieren auch im Erwachsenenalter lange Zeit zu einer seiner Haupttätigkeiten. Kein Wunder also, dass er sein liebstes Soloinstrument auch in seinen Kompositionen immer wieder in den Mittelpunkt rückte. Insgesamt 27 Werke schrieb Mozart für Klavier und Orchester. Zu den schönsten und bedeutungsvollsten gehören die zwölf Konzerte, die er in den Jahren 1784 bis 1786 schuf, allen voran das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 22 in Es-Dur. Es entstand zeitgleich zu seiner Oper „Le Nozze di Figaro“ im Winter 1785, was ihn fraglos in Zeitnot brachte. Doch trotz der stressigen Rahmenbedingungen strotzt es nur so vor überbordender Fantasie und einem Reichtum an Nuancen, die meisterhaft miteinander verwoben sind. Wie schon seine beiden vorherigen Klavierkonzerte (KV 466 und KV 467) gehört Mozarts Klavierkonzert Nr. 22 zu den großen symphonischen Werken und ist mit knapp 35 Minuten Spielzeit sogar eines seiner längsten. Außergewöhnlich ist der erstmalige Einsatz von Klarinetten anstelle der Oboen. Für den Verbund mit den beiden nachfolgenden, in dieser Hinsicht ganz ähnlich angelegten Klavierkonzerten (KV 488 und KV 491), hat sich daher der Beiname „Klarinettenkonzerte“ etabliert. Auch der übrige Orchesterpart ist mit Trompeten und Pauken groß angelegt. Neu ist zudem die dominierende Rolle der Hörner. Neben einem wunderbar festlichen Element prägt ein besonders farbenfroher Bläsereinsatz den Einstieg des Klavierkonzerts. Der erste sowie auch der dritte Satz ertönen in typischer Mozart-Heiterkeit. Ganz anders der zweite: Er gehört zu den großen Moll-Mittelsätzen Mozarts und ist von erhabenem Ernst getragen. Bereits sein langsamer Beginn kommt ganz in sich gekehrt, schicksalsschwer und beinahe wie ein Gebet daher. Ständige Hell-Dunkel-Wechsel prägen das Thema, das in der Folge einer Reihe von Variationen ausgesetzt wird. Kein Funken Hoffnung ist hier zu hören, stattdessen liefert die Grundstimmung aus Verzweiflung, Resignation, Trostlosigkeit, Einsamkeit und innerer Entfremdung ein markantes Zeugnis von Mozarts sich allmählich verdunkelnder Gemütslage. Bei der Uraufführung soll das Publikum so ergriffen gewesen sein, dass dieser Satz wiederholt werden musste. Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 22 Es-Dur KV 482
Länge: 35 Min. Foto: Mozart am Klavier, 1789. Unvollendetes Ölgemälde von Joseph Lange (c) akg-images


***

Pressestelle Tonhalle, Marita Ingenhoven, Ehrenhof 1, D-40479 Düsseldorf
Tel: +49 211 91 38 75 53, Email: presse@tonhalle.de, www.tonhalle.de

***


, Strauss: Metamorphosen für 22 Solostreicher

LANGVERSION
Strauss: Metamorphosen für 22 Solostreicher„Ich bin in verzweifelter Stimmung! Das Goethehaus, der Welt größtes Heiligtum, zerstört! Mein schönes Dresden – Weimar – München, alles dahin!“ Das Jahr 1945: Dresden brennt, die Welt des Richard Strauss fällt in Schutt und Asche, seine Wirkungsstätten sind Ruinen. Er holt eine Skizze aus dem Herbst 1944 hervor, auf die er „Trauer um München” notiert hatte, und beginnt zu komponieren. Nach nur vier Wochen schließt der 81-Jährige die Arbeit an diesem Werk ab, das er schließlich „Metamorphosen” nennt und bescheiden als „Studie für 23 Solostreicher” deklariert. Von der Idee der Metamorphose ausgehend, stellt sich das Werk als unentwegte Variationskette dar: Drei Themengruppen sind einer fortlaufenden Verwandlung unterworfen und durch die sich verändernde Bewegung miteinander verknüpft. Ursprünglich als Septett geplant, wandte Strauss sich im Verlaufe der Arbeit dann aber einer größeren Besetzung zu, um die Klangfarben zu intensivieren und zu erweitern. Ein interessanter Akzent ist ein Zitat aus dem langsamen Satz der „Eroica“ Beethovens, einem ergreifenden Trauermarsch, das ganz am Ende in den Kontrabässen erklingt. Obwohl Strauss es angeblich unbewusst in sein Werk verwoben hat, scheint doch die Absicht hier Vater des Gedankens gewesen zu sein: Die „Metamorphosen“ sind nichts anderes als eine Trauermusik für die untergegangenen deutschen Städte und speziell deren Kulturtempel. Dass der ehemalige Präsident der Reichsmusikkammer in den apokalyptischen letzten Wochen des Weltkriegs, in denen Abertausende ihr Leben ließen, seiner Trauerarbeit einen solchen Fokus setzt, mag einen zwiespältigen Beigeschmack haben. Der magischen, ungemein berührenden Kraft der Musik tut dies keinen Abbruch. Im hohen Alter hatte der Komponist mit diesem Werk, für das es in der Literatur keinen „Vorgänger“ gibt, noch einmal einen neuen Weg eingeschlagen. Zugleich sah er es als eine Art Resümee seines Daseins, oder, wie er sich ausdrückte, einen „Widerschein meines ganzen vergangenen Lebens“. Richard Strauss: Metamorphosen für 22 Solostreicher
Länge: 26 Min. Foto: Richard Strauss (c) Encyclopædia Britannica, Inc.


***

Pressestelle Tonhalle, Marita Ingenhoven, Ehrenhof 1, D-40479 Düsseldorf
Tel: +49 211 91 38 75 53, Email: presse@tonhalle.de, www.tonhalle.de

***


, Till Fellner

LANGVERSION
Till FellnerJeder Ton, den Till Fellner unter seinen Fingern formt, ist wohl durchdacht, präzise gesetzt und punktgenau. Denn wenn der gebürtige Wiener am Flügel sitzt, „versinkt“ er – die Welt um sich herum ausgeblendet – in der Musik. Till Fellners internationale Karriere begann 1993, als er mit Anfang 20 den 1. Preis beim renommierten Concours Clara Haskil in Vevey (Schweiz) gewann. Der Erfolg öffnete ihm die Türen zu den wichtigsten Orchestern in den großen Musikzentren von Europa, den USA und Japan sowie zu zahlreichen bedeutenden Festivals. Er konzertierte u. a. mit dem Boston Symphony Orchestra, den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Concertgebouworkest Amsterdam, dem New York Philharmonic, dem Chicago Symphony Orchestra, dem NHK-Sinfonieorchester, dem Tonhalle Orchester Zürich, dem London Symphony Orchestra und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und musizierte dort mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Vladimir Ashkenazy, Herbert Blomstedt, Semyon Bychkov, Christoph von Dohnányi, Christoph Eschenbach, Bernard Haitink, Nikolaus Harnoncourt, Manfred Honeck, Sir Charles Mackerras, Sir Neville Marriner, Kurt Masur, Kent Nagano, Jonathan Nott, Kirill Petrenko und Hans Zender. In der Kammermusik verbindet ihn eine regelmäßige Zusammenarbeit mit dem britischen Tenor Mark Padmore und mit dem Belcea Quartett. Im Frühjahr 2019 unternahm er eine USA-Tournee mit dem Cellisten Johannes Moser. Till Fellner ist Perfektionist. Immer wieder räumt er sich bewusst Zeit ein, um zu „versinken“. Im Herbst 2001 nahm er sich zum ersten Mal eine zwölfmonatige Auszeit und nutzte sein Sabbatical, um sich konzentriert Bachs „Wohltemperierten Klavier“ zu widmen. Tief tauchte er in das Werk ein und als ausgewiesener Experte wieder auf. Beim legendären Label ECM veröffentlichte er den 1. Band des Wohltemperierten Klaviers sowie Bachs zwei- und dreistimmigen Inventionen, später folgten die 32 Klaviersonaten von Beethoven. Zwischen 2008 und 2010 spielte Till Fellner einen siebenteiligen Zyklus mit allen Beethoven-Sonaten in New York, Washington, Tokio, London, Paris und Wien – zwei Meilensteine, denen die Werke Schuberts folgten. Darüber hinaus führte er Kompositionen von u. a. Kit Armstrong, Harrison Birtwistle, Thomas Larcher und Hans Zender erstmals auf. Till Fellner studierte in seiner Heimatstadt Wien bei Klavier bei Helene Sedo-Stadler. Weitere Studien führten ihn zu u. a. Alfred Brendel, dem er bis heute verbunden ist. Seit 2013 lehrt Till Fellner an der Zürcher Hochschule der Künste, im Herbst 2019 war er Jurypräsident beim 62. Internationalen Klavierwettbewerb Ferruccio Busoni in Bozen.


***

Pressestelle Tonhalle, Marita Ingenhoven, Ehrenhof 1, D-40479 Düsseldorf
Tel: +49 211 91 38 75 53, Email: presse@tonhalle.de, www.tonhalle.de

***