16. / 18. / 19. Januar 2026
Düsseldorfer Symphoniker
Ragnhild Hemsing Hardangerfiedel
Ustina Dubitsky Dirigentin
FR 16. Januar 2026 19:00 Uhr
Star Talk mit Ustina Dubitsky und
Maja Plüddemann
SO 18. Januar 2026 13:30 Uhr
Jazz Brunch mit becker&band
MO 19. Januar 2026 19:00 Uhr
Star Talk mit Ragnhild Hemsing und Udo Flaskamp
Edvard Grieg (1843-1907)
Aus der Peer Gynt-Suite Nr. 1 op. 46:
I. Morgenstimmung
III. Anitras tanz
IV. In der halle des Bergkönigs
ca. 10 Minuten, zuletzt aufgeführt am 23.10.2023 unter Tabita Berglund
Aus der Peer-Gynt-Suite Nr. 2 op. 55:
III. Peer Gynts Heimkehr. Stürmischer Abend auf dem Meer
IV. Solveigs Lied
ca. 9 Minuten, zuletzt aufgeführt am 12.07.2025 unter Gregor Bühl
Gordon Hamilton (*1982)
Konzert für Hardangerfiedel und Orchester
(UA, Auftragswerk der Tonhalle Düsseldorf)
I. ARC
II. AYR
III. JIG
ca. 23 Minuten, Erstaufführung der Düsseldorfer Symphoniker
Pause
Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
Symphonie Nr. 1 f-moll op. 10
I. Allegro – allegro non troppo
II. Allegro
III. Lento
IV. Lento – allegro molto – largo – presto
ca. 40 Minuten, zuletzt aufgeführt am 25.11.1960 unter Jean Martinon
Grieg
Auszüge aus den Peer Gynt-Suiten Nr. 1 & 2
Das dramatische Gedicht »Peer Gynt« von Henrik Ibsen erzählt von einem jungen, fantasievollen, aber verantwortungslosen Mann, der vor der Realität flieht und sich in abenteuerliche Traum- und Lügenwelten stürzt. Auf seinen Reisen begegnet er Fabelwesen, Gefahren und gelangt an ferne Schauplätze. Schließlich muss er erkennen, dass wahre Erfüllung nur möglich ist, wenn man Verantwortung übernimmt und zu seinen Mitmenschen steht.
Nicht nur Edvard Grieg war fasziniert von diesem literarischen Meisterwerk, was zahlreiche Verfilmungen und Theaterinszenierungen beweisen. Griegs Vertonung gehört zu den berühmtesten Orchesterwerken des späten 19. Jahrhunderts, die Grieg später zu zwei eigenständigen Orchestersuiten zusammenfasste.
Die Suite Nr. 1 op. 46 eröffnet mit der unvergänglichen »Morgenstimmung«. Grieg zeichnet eine fein schattierte Naturimpression: das Erwachen des Tages in zarten Holzbläsermelodien, weich pulsierenden Streicherflächen und einem allmählich aufblühenden Crescendo. Ein ganz anderer Charakter herrscht in »Anitras Tanz«, der eine Begegnung Peers in der nordafrikanischen Wüste begleitet. Der temperamentvolle Satz lebt von tänzerischer Eleganz und arabesk anmutenden Wendungen, wie Grieg sie aus der Tradition der romantischen »Orientalisierung« kannte. Mit »In der Halle des Bergkönigs« erreicht die erste Suite einen dramatischen Höhepunkt. Hier wird Peer von Trollen und mysteriösen Wesen verfolgt – ein Albtraum, den Grieg mit stetig anschwellender Intensität zeichnet. Die berühmte, beinahe kinderliedhafte Anfangsmelodie steigert sich unaufhaltsam zu einem wilden, fast grotesken Finale.
»Peer Gynts Heimkehr – Stürmischer Abend auf dem Meer« aus der zweiten Orchestersuite malt die Rückreise des gealterten, vom Schicksal gebeutelten Lebemanns. Donnernde Blechbläser, peitschende Rhythmen und brodelnde Streicherfiguren erzeugen ein Bild des tobenden Meeres. Alt und verarmt kehrt er heim, wo er auf Solveig trifft, die stets an ihn geglaubt hat. Die schlichte, rührende Melodie von »Solveigs Lied«, getragen von warmem Streicherklängen, lässt erahnen, dass Erlösung und Heimat nicht in Abenteuern, sondern im Gefühl der Zugehörigkeit liegen. Auf Peer Gynts Frage hin, wo er nun sei, antwortet ihm Solveig: »In meinem Glauben, meinem Hoffen und meinem Lieben.«
Hamilton
Konzert für Hardangerfiedel und Orchester
Als Gordon Hamilton am Newcastle Conservatorium zu studieren begann, probierte er die Violine, um herauszufinden, worum es bei dem ganzen Wirbel eigentlich ging. Man erklärte ihm, dass die Violine über sieben Lagen verfüge. Zwar schaffte er es schließlich bis zur vierten Lage, doch die erste blieb seine große Liebe, weil sie die leichteste war. Heimat. Es ist, als würde man ein Formel-1-Rennen im ersten Gang fahren: langsam, aber laut. Dann begegnete er der Hardangerfiedel, der traditionellen Fiedel Norwegens. Wie viele Volks- und Barockinstrumente fühlt sie sich in der ersten Lage besonders wohl. Nahe am Wirbelkasten zu bleiben und die leeren Saiten für Akkorde zu nutzen, verleiht ihr diesen leuchtenden, erdigen Klang. Ein Fiedelkonzert (überwiegend) in erster Lage zu schreiben, war daher ein heimliches Vergnügen. Einfach, ehrlich, low-tech. Die Hardangerfiedel verwendet Skordaturen: eine Vielzahl teils recht unwahrscheinlicher Umstimmungen, um ungewöhnliche Akkorde zugänglich zu machen. Notiert wird die Musik jedoch so, als wäre das Instrument wie eine Violine gestimmt. Die Notation wirkt daher verrückt – aber nur, weil sie die Wahrheit sagt. In der Mitte seines Konzerts für Ragnhild Hemsing lässt er sie ein schimmerndes Umstimm-Ritual vollziehen, das eine neue harmonische Welt eröffnet. Der erste Satz ist eine Sammlung von Melodien. Jede erklingt dreimal hintereinander, bis schließlich die letzte Melodie wieder in die erste zurückführt. Der zweite Satz ist eine wiegende Air mit fernen Glocken. Sie kam ihm in der Stadtkirche Heilig Dreifaltigkeit in Bayreuth am Morgen nach einer Aufführung von Wagners »Walküre« in den Sinn. Er ging ins Klavierhaus Steingraeber, wo er so tat, als wolle er ein Klavier kaufen – gerade lange genug, um die Melodie aufzuschreiben. Der dritte Satz ist eine Rondo-Gigue – »Jig« geschrieben, um das dreibuchstabige, altenglische Muster der Satzbezeichnungen beizubehalten. Als Rondo erscheint das Thema dreimal. Musik ist ein zutiefst abergläubisches Metier und liebt die Zahl Drei: einmal ist Zufall, zweimal Gesellschaft, aber dreimal ist Gestaltung. Er lässt Hemsing ihre Kadenzen im ersten und dritten Satz improvisieren – wie ein Jazzsolo mit begleitender Perkussion.
Hamilton hat diesen Auftrag vom Sternzeichen-Publikum gewonnen. Als Abschluss und Höhepunkt des Projekts »Green Monday« haben Sie – das Sternzeichen-Publikum – aus den elf Uraufführungen der Saison 23|24 Ihren Favoriten ausgewählt: »Upcycle«. Hamilton erhielt für sein kurzes Werk den Auftrag zu einem veritablen Solokonzert, das nun seine Welturaufführung erlebt. Vielen Dank für Ihre Mitwirkung!!!
Schostakowitsch
Symphonie Nr. 1
Kurz bevor Dmitri Schostakowitsch seinen Abschluss am Leningrader Konservatorium absolvierte, ereilte ihn ein großer Schicksalsschlag: Er verlor seinen Vater. Um seine Familie über Wasser zu halten, improvisierte Schostakowitsch Klavierbegleitungen zu Stummfilmen im Kino. Nichtsdestotrotz gelang es ihm bereits mit zarten 19 Jahren, seine 1. Symphonie als Abschlussprojekt seines Studiums zu veröffentlichen.
Inspiriert von musikalischen Vorbildern wie Strawinsky, Mahler oder Prokofjew trägt Schostakowitschs Frühwerk schon seine unverwechselbare Handschrift und eine ausgereifte Tonsprache. Verblüffend selbstbewusst und fast schon provokant wirkt seine erste Symphonie und lässt kaum seine eher unsichere Persönlichkeit durchscheinen.
Als wolle Schostakowitsch der Prüfungskommission beweisen, dass er sein Handwerk versteht, basiert der erste Satz mit drei kontrastierenden Themen auf der Sonatenhauptsatzform. Dennoch beschreitet Schostakowitsch seinen eigenen Weg. Unkonventionell und ausdrucksstark überzeugt vor allem der zweite Satz: Das Scherzo wurde bei der Uraufführung sogar als Zugabe wiederholt. Voller Groteske und Ironie wirbeln Melodien durch die Luft, unter anderem auch gespielt vom Orchesterklavier, das Schostakowitsch auch in künftigen Werken gerne prominent einsetzte. Das Unerwartete liebend, kontrastiert Schostakowitsch den feurigen ersten Teil mit einem nachdenklichen Trauermarsch. Der kammermusikalisch gehaltene dritte Satz wird von einer sehnsuchtsvollen Oboen-Melodie eröffnet, die die Weiten der russischen Landschaft anklingen lässt. Ein Trommelwirbel leitet den Schlusssatz ein und lässt ein großes Finale vorausahnen. Schostakowitsch überrascht jedoch sein Publikum erneut – und lässt seine Symphonie eher mysteriös ausklingen.
Trotz schwächelnden, kurzatmig wirkenden Steigerungen und Kleinteiligkeit (vor allem im dritten und vierten Satz) attestierte die Prüfungskommission unter dem Vorsitz von Alexander Glazunov dem Prüfling eine ausgeprägte schöpferische Begabung – dennoch verfiel Schostakowitsch anschließend in eine Sinnkrise.