20. / 22. / 23. März 2026
Düsseldorfer Symphoniker
Christina Landshamer Sopran
Anna Harvey Mezzosopran
David Fischer Tenor
Valentin Ruckebier Bass
Chor des Städtischen Musikvereins
Dennis Hansel-Dinar Einstudierung
Vitali Alekseenok Dirigent
FR 20. März 2026 19:00 Uhr
Star Talk mit Vitali Alekseenok und Uwe Sommer-Sorgente
SO 22. März 2026 13:30 Uhr
Jazz Brunch mit Winni Slütters
MO 23. März 2026 19:00 Uhr
Star Talk mit Vitali Alekseenok und Maja Plüddemann
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Missa c-Moll »Grosse c-Moll-Messe« KV 427
(rekonstruiert, vervollständigt und herausgegeben von Ulrich Leisinger)
Kyrie. andante moderato
Gloria
gloria in excelsis Deo. Allegro vivace
Laudamus te. Allegro aperto
Gratias. adagio
Domine. allegro moderato
Qui tollis. Largo
Quoniam. allegro
Jesu Christe. Adagio
cum sancto spiritu. alla breve
Credo
Credo in unum Deum. allegro maestoso
Et incarnatus est. andante
Sanctus
Sanctus, sanctus, sanctus. largo
HOSANNA. Allegro comodo
Benedictus
Benedictus qui venit. allegro comodo
Hosanna
ca. 55 Minuten, zuletzt gespielt am 13.03.2017 mit Jutta Maria Böhnert, Sophie
Harmsen, Krystian Adam und Thomas Laske unter Adam Fischer
Pause
Maurice Ravel (1875-1937)
Une barque sur l'océan
ca. 7 Minuten, zuletzt gespielt am 12.09.2009 unter Simon Gaudenz
Claude Debussy (1862-1918)
La Mer
I. De l'aube à midi sur la mer
II. Jeux des vagues
III. Dialogue du vent et de la mer
ca. 25 Minuten, zuletzt gespielt am 04.12.2017 unter Alexandre Bloch
Mozart
»Grosse c-Moll-Messe«
Ein Fußtritt brachte das Fass zum Überlaufen: Nach dieser Schmach und neun langen Dienstjahren als Konzertmeister, Hoforganist und Hofkomponist in Salzburg setzte Mozart den heftigen Auseinandersetzungen mit seinem ungeliebten Herrn, dem Fürsterzbischof Hieronymus Franz Josef von Colloredo, im Juni 1781 ein Ende und kündigte. Von den höfischen Fesseln befreit, ging er nach Wien und wurde freischaffender Komponist. Zur selben Zeit löste er sich auch aus der mächtigen väterlichen Umklammerung und heiratete ohne Leopolds Einwilligung 1782 Constanze Weber. Als ein Jahr später das erste Kind geboren wurde, plante Mozart mit seiner Frau einen Antrittsbesuch bei seinem Vater in Salzburg, um das zugespitzte Vater-Sohn-Verhältnis zu normalisieren.
In dieser Situation begann er mit der Komposition einer neuen Messe, deren Dimensionen seine bisherigen Ordinarien bei weitem übertrafen. Allein die zuerst fertiggestellten Sätze »Kyrie« und »Gloria« besitzen eine Spiellänge von mehr als einer halben Stunde, während seine Messen aus der Salzburger Zeit nur rund 20 Minuten dauern unter anderem deshalb, weil der Fürsterzbischof lange Messen nicht ausstehen konnte. Dann aber brach Mozart dieses riesige Projekt jäh ab und verzichtete auch in den Folgejahren auf eine Ergänzung weiter Teile des »Credos« sowie des komplett fehlenden »Agnus Dei«. Am letzten Tag seines Aufenthaltes in Salzburg, der in puncto Familienaussöhnung ein Misserfolg war, wurde das Messfragment unter Mozarts Leitung im Rahmen einer Liturgiefeier in St. Peter mit Constanze als erster Sopranistin uraufgeführt. Danach rührte Mozart keinen Finger mehr an der Messe. Und nicht nur das: Er komponierte fortan nie wieder eine Messe, mit Ausnahme des Requiems. Über die Gründe, weshalb die c-Moll-Messe ein Fragment geblieben ist, wurde viel spekuliert. Mozarts Witwe Constanze brachte mehrfach ins Spiel, dass die Komposition einem Gelübte ihres Mannes entsprach, nach ihrer Hochzeit und der glücklichen Geburt des ersten Kindes eine Messe zu komponieren. Als jedoch der Erstgeborene nach wenigen Monaten verstarb – unglücklicherweise in den Armen der Amme, während das neu vermählte Paar in Salzburg weilte – habe Mozart die Komposition, erfüllt von Traurigkeit, abgebrochen.
Ravel
Une barque sur l’océan
Der Journalist Alfred Edwards und dessen Frau, die Pianistin Misia, luden Ravel 1905 zu einer siebenwöchigen Kanalrundfahrt auf ihre Yacht ein. Das Paar war in Paris bekannt und ihre Wohnung ein beliebter Treffpunkt für unterschiedlichste Künstlerpersönlichkeiten. Im selben Jahr arbeitete Ravel auch an seiner Suite »Miroirs« für Klavier solo, deren drittes Stück den Titel »Une barque sur l’océan« trug. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er beim Komponieren von seinen Beobachtungen und Eindrücken während der Kreuzfahrt beeinflusst wurde. Seine Vision vom Wasser wurde auch von einem Spielzeug genährt, das auf seinem Klavier stand. In einer Glasglocke befand sich ein kleines Boot auf Wellen aus Pappe, das durch Drehen einer Handkurbel hin und her geworfen wurde. Unter seiner großen Spielzeugsammlung soll dies eines seiner Lieblingsstücke gewesen sein.
Ein Jahr nach der Klavierfassung orchestrierte Ravel »Une barque sur l'océan« und ließ das Thema von zwei Flöten spielen, die über Klarinetten und Fagotten schweben. Sie halten einen gleichmäßigen Akkord, während geteilte Streicher schnelle 32stel-Notenpassagen spielen, die anschwellen und wieder abebben. Bemerkenswert ist auch der Einsatz von zwei Harfen, die das Klangbild durchgehend mit wellenförmigen Glissandi und Arpeggios bereichern. Doch das Meer ist ungestüm. Nach einer anfänglich friedlichen Situation scheint sich unter der Oberfläche ein Strudel zu bilden. Ravel verdichtet die Musik mehr und mehr, indem er die Dynamik vom Pianissimo ausgehend immer stärker anwachsen lässt, bis sich die Gewalt des Meeres in einer größeren Welle im Forte entlädt. Von hier aus steuert das Werk auf seinen ersten dynamischen Höhepunkt zu. In drei Wellen bündeln sich die Meereskräfte in den bis dahin über weite Strecken vierfachgeteilten Streichergruppen, die sich nun in größeren Einheiten zusammenschließen. Gemeinsam mit den Bläsern, der Pauke und dem Schlagwerk erreichen sie ein Fortefortissimo, in dem die Gischt förmlich zu spritzen scheint.
Ravel erschuf mit »Une barque sur l’océan« ein impressionistisches Klanggemälde ähnlich wie Debussys »La mer«, das zur gleichen Zeit um 1905 entstand. Die Debussy-Anhänger warfen ihm vor, den Meister zu kopieren. Diese Anschuldigungen wies Ravel entschieden zurück, jedoch war er von seiner Orchesterfassung selbst nicht ganz überzeugt. Sie wurde zu seinen Lebzeiten nur einmal gespielt und ist bis heute selten in Konzertsälen zu hören – wie schade!
Debussy
La Mer
»La Mer« ließ das Pariser Publikum am 15. Oktober 1905 ratlos zurück. So wie der Feuilletonist Pierre Lalo, der seine Meinung wenig später in einem Brief an Debussy ehrlich kundtat, empfanden viele der Konzertbesucher: »Ich höre das Meer nicht, ich sehe und rieche es nicht.« Um Programmmusik mit illustrativer, gefälliger Klangfarbenmalerei, wie es die Zuhörerschaft in der Uraufführung erwartet hatte, ging es jedoch Debussy nicht, als er 1903 mit seinem Werk begann. Er wollte vielmehr den Charakter des Meeres, die atmosphärischen Zustände auf und an der See einfangen: Die Spiegelungen der Sonne und die Veränderungen des Lichts im 1. Satz, das Spiel der ewig wiederkehrenden Wellen im 2. Satz und die ungestüme Leidenschaft der Brandung bei Sturm im 3. Satz.
Debussy komponierte die ersten Takte während eines Aufenthalts in Burgund. »Sie werden einwenden, dass die Weinberge der Bourgogne nicht gerade vom Ozean umspült werden ...!«, schrieb er an seinen Verleger Jacques Durand, »aber ich habe unzählige Erinnerungen; meiner Ansicht nach ist das mehr wert als eine Wirklichkeit, deren Zauber die Fantasie gewöhnlich zu stark belastet.«
Mit dem Komponieren ließ sich Debussy Zeit. Er schrieb keinen Takt, zu dem er sich nicht »gedrängt fühlte«. Entstanden ist ein bis ins kleinste Detail durchdachtes Meisterwerk, in dem er nicht das Meer an sich darstellte, sondern ganz im Geiste des Impressionismus seinen persönlichen Eindruck davon. Aber was hat die Hörerschaft bei der Uraufführung so ratlos gestimmt? Offensichtlich war es ihre eigene Ohnmacht diesem bahnbrechenden Werk gegenüber, das die Flüchtigkeit der Musik selbst in den Mittelpunkt stellt – eine Flüchtigkeit, die auch das Meer besitzt: Es gibt kein singbares Thema, keine Melodie, die im Ohr bleibt. Debussys Musik fliegt heran und verweht im selben Augenblick wieder. Vor den Ohren der Zuhörer ersteht ein schillerndes Meer von Motiven und Klangfarben im Auf und Ab, von verschiedensten rhythmischen Aktionen in verschränkter Parallelität und beständiger Bewegung.
Nichts ist von Dauer, nichts ist vorhersehbar, alles ist im Fluss. Die Menschen brauchten eine gewisse Zeit, um sich auf Debussys impressionistische Sicht auf das Meer einzulassen. Erst als Debussy sein Werk Anfang 1908 in Paris selbst dirigierte, setzte der bis heute anhaltende Erfolg von »La Mer« ein.