CO2-Kompensation

Wie kann ein Konzerthaus seine Klimabilanz verbessern und sich zur Klimakrise positionieren? Um das anzugehen, werden die Montags-Sternzeichen der Saison 23/24 zu »Green Mondays«, die sich verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen rund um den Konzertabend widmen. Zusätzlich erklingt in jedem Konzert eine Auftragskomposition aus internationaler Feder. 

Das heutige Konzert widmet sich dem Thema »CO2-Kompensation«.

CO2-Kompensation

Unsere Gäste zum Thema

Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick ist seit Januar 2020 Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer und seit 2010 Mitglied der Geschäftsführung des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. 2008 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der Bergischen Universität Wuppertal berufen. Er ist zudem einer der Leitautoren des 6. Sachstandsberichtes des Weltklimarates (IPCC). Das Wuppertal Institut und Manfred Fischedick verfolgen einen transformativen wissenschaftlichen Ansatz. Forschung dient nicht nur dazu, ein besseres Systemverständnis zu erlangen (inkl. der Erforschung sozio-ökonomischer und sozio-technischer Interaktionen), sondern proaktiv die Umsetzung transformativer Prozesse zu unterstützen. 

VIVO Carbon ist eine gemeinnützige GmbH, die gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten Agroforst-Projekte realisiert und so CO2 bindet, die Biodiversität erhöht und der Landwirtschaft bei der Anpassung an den Klimawandel hilft. Die Realisierung der Projekte wird durch Spenden von Unternehmen, Organisationen, Stiftungen und Einzelpersonen ermöglicht. Agroforstwirtschaft ist ein Landnutzungssystem, in dem Bäume mit Nutzpflanzen oder Nutztieren auf einer Fläche kombiniert werden. 

Der Lammertzhof ist ein seit 1989 durch die Familie Hannen im niederrheinischen Büttgen betriebener Biobauernhof. Auf etwa 45 Hektar werden Klee, 50 verschiedene Gemüse-Kulturen, Weizen und Kartoffeln angebaut. Außerdem gibt es über 160 Hochstammbäume der Arten Apfel, Birne, Kirsche, Mirabelle, Pflaume, Reneklode und Walnuss. Es leben etwa 350 Hühner und 10 Schafe in artgerechter Haltung zwischen Hecken, zahlreichen Kleinbiotopen und unter den Streuobstbäumen. In Düsseldorf ist der Lammertzhof vor allem durch sein Gemüse-Abo, die »Ökokiste«, bekannt – 2.800 Kunden werden damit pro Woche beliefert.

Kompensation

CO2-Emissionen zu kompensieren ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist jeder positive Impact wichtig, um die notwendigen Klimaziele zu erreichen. Auf der anderen Seite verleitet Kompensation dazu, das eigene Verhalten nicht zu ändern, sondern diesem lediglich etwas entgegenzusetzen. Kompensation darf also immer erst die letzte Maßnahme sein. Die, die eingesetzt wird, wenn sich die Emissionen nicht mehr weiter reduzieren lassen. Während der »Green Mondays« haben wir an zehn verschiedenen Stellschrauben gedreht, um die Emissionen der Tonhalle zu verringern. An elfter und letzter Stelle steht nun die Kompensation, mit der wir den übrigen Emissionen einen positiven Klimaeffekt entgegensetzen wollen. 

Doch Kompensation ist nicht gleich Kompensation. Denn dadurch, dass Kompensationsmaßnahmen in aller Munde sind, werden sie vor allem von großen Unternehmen häufig als einfacher Weg genutzt, um die eigenen Produkte und Angebote als besonders nachhaltig oder gar »klimaneutral« zu präsentieren. Um trotz guter Intentionen nicht diesem »Greenwashing« zu verfallen, ist es besonders wichtig, in Projekte zu investieren, die wirklich einen nachhaltigen positiven Klimaeffekt erzielen. Wir haben uns daher für ein Projekt entschieden, das direkt vor den Toren Düsseldorfs stattfindet. Ein Projekt, bei dem alle Partner sich gegenseitig kennen lernen und in die Augen schauen können, um zu sagen »ja, das ist gut, was wir hier gerade machen«. Ein Projekt zum Anfassen – und hoffentlich auch bald zum Anhören! Nicht nur für uns, sondern auch für unser Publikum: unser grünes Konzerthaus am Lammertzhof in Kaarst-Büttgen. 

»Agroforst am Lammertzhof« 

Gemeinsam mit VIVO Carbon hat die Tonhalle Düsseldorf am 28. April 2024 auf den Nutzflächen am Lammertzhof 1.500 Pappeln gepflanzt. In sieben Jahren werden diese 15 Meter hoch sein. Das Holz wird im Baubereich nachhaltig verwendet werden und damit dauerhaft CO2 binden. Im Anschluss wird die gleiche Fläche wieder bepflanzt – die erste Vereinbarung zur Nutzung läuft über die kommenden 20 Jahre. Die Kombination aus Ackerfläche und Gehölzpflanzen nennt sich »Silvoarables Agroforst-System« und gilt als eine der wichtigsten und effektivsten Maßnahmen gegen den Klimawandel. Durch die Pflanzung von schnellwachsenden Gehölzen findet eine schnelle CO2-Bindung statt. Gleichzeitig werden das Mikroklima und die Biodiversität an diesem Standort verbessert, was ebenfalls einen positiven Klimaeffekt hat. 

Die Vision »Konzertwald« 

Zwischen den Pappelreihen soll ein Ort entstehen, an dem musiziert werden kann. Die Betreiber des Lammertzhofs haben bereits Erfahrung mit Open-Air-Konzerten auf ihrem Gelände und freuen sich auf Veranstaltungen mit der Tonhalle und den Düsseldorfer Symphonikern. Ein bisschen müssen sich alle Beteiligten aber noch gedulden – etwa drei Jahre wird es dauern, bis die Pappeln hoch genug sind, um in ihrem Schatten Konzerte zu geben.